Die Funktionsweise des Gedächtnispalasts und die Verbindung mit semantischem Framing

Im Deutschunterricht haben wir uns mit der Semantik beschäftigt und dabei war auch das semantische Framing ein Thema. Semantisches Framing ist ein Modell, um die Wissensspeicherung in unserem Gehirn zu erklären. Wir denken in Sprache und speichern Wissen in unserem Gehirn in sogenannten Frames (Rahmen). Diese sind in einem komplexen Netz miteinander verbunden. Frames entstehen auf der Grundlage von Erfahrungen und Lernen; sie verändern sich ständig und können neue Verknüpfungen mit anderen Frames bilden oder wieder verlieren. Nicht alle Elemente eines Frames sind gleich gewichtet, einige sind wichtiger und andere weniger. Generell sind Verben besonders zentral, da sie den Frame massgebend bestimmen. Als Beispiel für einen Frame haben wir ein Beispiel von Wikipedia verwendet: Das Verb kaufen könnte einem Frame zugeordnet werden, den man als Kommerzielle Transaktion bezeichnen könnte. Zu diesem Frame gehören dann Elemente wie Verkäufer, Käufer, Ware und Preis. Elemente eines Frames können auch in anderen Frames vorhanden sein. Das Verb kaufen stellt in diesem Frame ein zentrales Element dar. In einem Frame enthalten sind nebst den Elementen auch ihre Beziehungen untereinander, wie zum Beispiel, dass der Verkäufer der Besitzer einer Ware ist und an einen Käufer verkauft.
Semantisches Framing ist aber nicht nur bei der Speicherung von Wissen im Gehirn wichtig, sondern auch beim Wiederaufrufen. Wir bewegen uns immer in Frames, beim Lesen, Zuhören und auch beim Denken. Beim Lesen eines Textes greifen wir auf unser Wissen zurück und somit auf Frames, die in unserem Gehirn gespeichert sind. Lesen wir beispielsweise einen Text über einen Juwelier, der in einer Stadt sein Geschäft hat und mit Schmuck handelt, haben wir vielleicht den Frame Kommerzielle Transaktion aktiviert. Es können aber auch mehrere Frames aktiviert sein. Wenn zum Beispiel der Verdacht geäussert wird, dass es sich beim Schmuck des Juweliers um Diebesgut handle, wird vielleicht ein Frame wie Kriminalität aktiviert. Diese Frames beeinflussen sich gegenseitig und Assoziationen vom einen Frame fliessen in den anderen über und umgekehrt. Framing ist die gezielte Absicht, bestimmte Frames beim Leser oder Zuhörer zu aktivieren und so zu vermischen. Dies kann bewusst oder unbewusst geschehen. So kann ein Text mit der Absicht geschrieben werden, den Leser gezielt mit Framing zu beeinflussen. Frames können auch gezielt gewechselt werden, wie zum Beispiel bei Ironie. Dabei wird eine Aussage getätigt, beim Leser oder Zuhörer wird ein Frame aktiviert, durch den Kontext wird für den Leser oder Zuhörer klar, dass die Aussage anders gemeint ist und der Frame wird gewechselt.
Framing muss nicht immer zur unbewussten Beeinflussung verwendet werden. Es kann ganz bewusst eingesetzt werden, um das eigene Lernen und die Wissenssicherung zu unterstützen. Passend dazu habe ich im Englischunterricht das Buch Moonwalking with Einstein gelesen und sehe darin viele Verbindungen zum semantischen Framing. Der Autor dieses Buches, Joshua Foer, erzählt darin seine Entdeckungsreise in die Welt der Mnemotechniken und Gedächtnis-Athleten. Er schreibt von spezifischen Mnemotechniken wie dem Gedächtnispalast, von der Wichtigkeit und Bedeutung von Erinnerungen, vom Trainieren des Gehirns und von der Funktionsweise unseres Gehirns.
Mnemotechniken wie der Gedächtnispalast weisen einige Verbindungen zum semantischen Framing auf. Ein Gedächtnispalast ist ein Raum, wie das eigene Zuhause, der Arbeitsplatz, ein zufälliges Haus oder auch eine Strasse, den man sich im Kopf gut vorstellen kann. Die Informationen, die man sich merken möchte, visualisiert man möglichst lebendig und platziert die Visualisierung gedanklich an einer bestimmten Stelle im vorgestellten Raum. Man hat festgestellt, dass beim Memorisieren mit einem Gedächtnispalast zwei Hirnregionen besonders aktiv sind. Diese beiden Hirnregionen sind für die Visualisierung und die Navigation verantwortlich. Bei der Verwendung eines Gedächtnispalasts muss die Information zuerst visualisiert werden und danach im imaginären Raum untergebracht werden. Diese beiden Vorgänge helfen dabei, eine Information besser zu merken.
Unser Gehirn ist besonders gut im Erinnern von Visualisierungen und Bilder, diese Eigenschaft des Gehirns macht man sich beim Gedächtnispalast zunutze. Visualisieren hat aber noch einen anderen Vorteil. Joshua Foer betont mehrmals, dass es wichtig ist die Information möglichst lebendig, detailreich, einzigartig und auch komisch zu visualisieren. Dieser Prozess hat den Vorteil, dass die Information in einen Kontext gesetzt wird und mit möglichst vielen anderen Elementen verbunden wird. Zusätzlich werden Informationen Bedeutung gegeben, was vor allem für abstrakte Dinge wichtig ist und so können bestimmte semantische Frames aktiviert werden. Durch die Visualisierung werden also möglichst viele neue Verbindungen zwischen vielen verschiedenen Frames gebildet. Beim Abrufen der Information gibt es dadurch mehr Verbindungen, die zu dieser Information führen und es fällt uns leichter, uns daran zu erinnern.
Beim Navigieren geschieht Ähnliches. Das Bild, das wir uns vorstellen, muss an einem bestimmten Ort im imaginären Raum platziert werden. Durch diesen Prozess werden die Informationen in einem Gedächtnispalast in Verbindung miteinander gebracht; sie werden in eine Reihenfolge gebracht. Zusätzlich wird das Bild wieder in einen Kontext und an einen Ort gebetet und so mit anderen Erinnerungen und Elementen verbunden. Dadurch entstehen wiederum neue Verknüpfungen von semantischen Frames und deren Elemente.
Durch einen Gedächtnispalast werden die Informationen also in einen Kontext gebracht, miteinander verbunden und mit vielen anderen Elementen, Begriffen und Orten verknüpft. Dadurch entstehen auch viele Verbindungen zwischen semantischen Frames und die Information lässt sich einfacher abrufen.